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Gleichartigkeit und Verschiedenartigkeit

Wir haben in den Grundlagen der Farbenlehre gelernt, dass wir unsere Umwelt nur deshalb visuell wahrnehmen können, weil sie voller optischer Kontraste ist, die durch die Reflexion von Licht hervorgerufen werden: Hell-Dunkel-Kontraste und farbliche Kontraste. Diese Kontraste erst ermöglichen uns eine räumliche Orientierung in der Welt. Ohne diese Kontraste würden wir nichts erkennen, es wäre wie Nebel vor unseren Augen, eine monotone, kontrast- und musterlose Masse. Zwischen der Wahrnehmung eines visuellen Sinneseindrucks und der Klassifizierung dieses Sinneseindrucks durch unser Gehirn steht ein Entscheidungsprozess: Es ist der Entscheidungsprozess über die Bewertung unserer Sinneseindrücke nach dem Gegensatzpaar Gleichartigkeit und Verschiedenartigkeit.
 
Unser Gehirn versucht, mit Hilfe der Attribute Gleichartigkeit und Verschiedenartigkeit einen zusätzlichen Kontrast zu entdecken, um ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zu finden. Dieser zusätzliche Kontrast ermöglicht es dem Gehirn, feinere und genauere Differenzierungen zu treffen. Dadurch gewinnt es besseren Überblick. Hell-Dunkel-Kontraste und Farb-Kontraste werden durch den zusätzlichen Kontrast der Gleichheit und Ungleichheit, der Gleichartigkeit und Verschiedenartigkeit ergänzt. Das Gehirn ordnet die Formen, die es optisch erkannt hat, nach Gleichartigkeit und Verschiedenartigkeit.
 
Das Suchen nach Gleichartigem und Verschiedenartigem ist das Suchen nach Ordnung. Findet das Gehirn Gleichartiges oder Ungleichartiges, so findet es eine Ordnung in den Dingen. Damit hat es die Dinge besser und schneller "im Griff". Das Gehirn hat es gern, wenn es sein Umfeld vollständig "im Blick" hat, wenn es alles sieht und alles weiß. Auf welchen Stuhl setzt ein Mensch sich vornehmlich hin, wenn mehrere Stühle zur Auswahl stehen? Versuche der Verhaltensforschung haben gezeigt, dass es diejenigen Stühle sind, von denen aus wir den Raum überblicken können, also diejenigen an der Wand und nicht die mitten im Raum. Die Stühlepositionierung in Wartezimmern spricht für sich: Alle Stühle stehen an der Wand, ganz unabhängig davon, ob es vom Standpunkt der Flächennutzung her effizient ist oder nicht.
 
Wenn die Aufgabe der Klassifizierung schwierig ist und in kurzer Zeit nicht zu lösen ist, wird unser Gehirn angestrengt und wir empfinden die Aufgabe als unangenehm. Diese Aufgabe ist dann schwierig zu lösen, wenn das Gehirn auf Merkmale von Gleichartigkeit stößt als auch auf Merkmale von Verschiedenartigkeit. Das Gehirn findet Widersprüche in dem Durcheinander, es kann keinen Überblick finden und sich nicht entscheiden, ob es Gleichartiges oder Verschiedenartiges sieht. Diese unangenehme Empfindung ist das Gefühl von Disharmonie.
 
Ist diese Aufgabe in kurzer Zeit erledigt, vermag das Gehirn sich in der gefundenen Ordnung der Dinge besser und sicherer zurechtzufinden, es hat den besseren Überblick und fühlt sich deshalb wohler. Dieses ist das Gefühl von Harmonie. Die Aufgabe ist dann in kurzer Zeit erledigt, wenn das Gehirn auf Anhieb Gleichartigkeit oder aber auf Anhieb Ungleichartigkeit erkennt.
 
Ich muss an dieser Stelle anmerken, dass die Wissenschaft die Arbeitsweise von Auge und Gehirn bei der Lösung der Klassifikationsaufgabe bis heute nicht kennt, und deshalb die physiologischen Vorgänge nicht erklären kann. Wir sind also auf philosophische Spekulationen angewiesen und müssen uns mit den am wahrscheinlichsten klingenden begnügen.
 
Auf der nächsten Seite werden diese theoretischen Betrachtungen anhand von Beispielen veranschaulicht.

 
 
 
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