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Die Winkelharmonie

Als Winkelharmonie bezeichnet Roman Liedl eine Zusammenstellung von Farben, die "nach außen hin neutral" ist, mit anderen Worten einen Komplementärkontrast. Er unterscheidet dabei zwischen Zweier-Harmonie, Dreier-Harmonie, Vierer-Harmonie u.s.w. Die folgenden Abbildungen veranschaulichen die Zusammenhänge (vergl. hierzu: Roman Liedl, Die Pracht der Farben, S. 46 bis 65):

Zweier-Harmonie Zweier-Harmonie
 
Weitere Zweier-Harmonien: z.B. Lind/Lila oder Orange/Cyan.
 

Dreier-Harmonie Dreier-Harmonie
 
Das Gelb wird einfach aufgesplittet. Weitere Dreier-Harmonien: z.B. Lind/Magenta/Violett oder Rot/Grün/Cyan.  

Dreier-Harmonie Dreier-Harmonie
 
Weitere Dreier-Harmonien: z.B. Lind/Rot/Blau oder Orange/Grün/Violett.

Keine Dreier-Harmonie ist Rot/Türkis/Violett, weil diese Kombination nicht nach außen hin neutral ist; Rot und Türkis liegen zu weit von Gelb entfernt, als dass sie die Aufgabe von Gelb erledigen könnten. Der maximale Winkelabstand beim "Aufsplitten" beträgt etwas mehr als 120.
 
Allerdings bietet die Dreier-Kombination Rot/Türkis/Violett einen nicht zu unterschätzenden Effekt: Man kann den Komplementärkontrast Rot/Türkis mit Violett akzentuieren und damit ein wenig auflockern. Es lässt sich eine gewisse Spannung erzeugen, eine kleine Distanz zum Regelmäßigen, eine Nische für Individualität. Dabei muss mit viel Gefühl gearbeitet werden, damit die Kombination noch harmonisch wirkt. Die Akzentuierung mit einer Farbe, die nicht harmonisch in die Webseite passt und deshalb einen "schiefen" Kontrast bildet, ist bei allen Winkelharmonien dieser Seite möglich. Man muss nur aufpassen, dass die Akzentuierung wirklich nur eine Spannung erzeugt und nicht gänzlich in einer Disharmonie endet.
 

Vierer-Harmonie Vierer-Harmonie
 
Gelb und Violett wurden aufgesplittet.  

Vierer-Harmonie Vierer-Harmonie
 
Weitere Vierer-Harmonien: z.B. Dotter/Orange/Cyan/Blau, Rot/Türkis/Gelb/Violett, Orange/Dotter/Gelb/Blau.  

Fünfer-Harmonie Fünfer-Harmonie
 

Sechser-Harmonie Sechser-Harmonie
 

Diese Abbildungen sind nur eine Auswahl der möglichen Kombinationen. Jeder kann sich seine eigene Kombination zusammenstellen, man muß nur darauf achten, dass ein "Gleichgewicht" herrscht: Dazu wird der Farbkreis zunächst halbiert gedacht; in der Mitte der einen Hälfte befindet sich unsere gegebene Farbe und genau gegenüberliegend, in der Mitte der anderen Hälfte, befindet sich deren Komplementärfarbe.
Wenn nur zwei Farben eingesetzt werden sollen, hat man in der Komplementärfarbe bereits das gesuchte Ergebnis. Bei mehr als zwei Farben muss die Komplementärfarbe symmetrisch, nach rechts und links, aufgesplittet werden, sodass zwei neue Farben entstehen, die jeweils den gleichen Winkelabstand zur ursprünglichen Komplementärfarbe haben.
 
Auf Webseiten wirken aller Erfahrung nach Zweier- und Dreier-Harmonien sehr gut. Bei Vierer-Harmonien muss man schon aufpassen und den Winkelabstand nicht zu breit werden lassen, damit es nicht zu bunt wirkt. Fünfer-Harmonien und mehr sind besser eingesetzt in der Kunstmalerei. Allerdings sollte man letzteres nicht als immergültige Regel auffassen, sondern mehr als Richtlinie für Einsteiger. Es gibt immer wieder Ausnahmen, wo durchaus auch Fünfer-Harmonien und mehr angebracht sein können, z.B. wenn eine Farbe ganz großflächig eingesetzt wird und alle anderen Farben sehr kleinflächig.
 
Manchmal genügt es schon, auf einer uni-farbenen Webseite nur eine einzige Farbe auf kleiner Fläche hervorzuheben und damit einen Akzent zu setzen, und die Seite "wirkt". Gutes Design kennzeichnet sich häufig dadurch, dass sparsam, geordnet und ausgewogen, ausgewogen in jeder nur erdenklichen Hinsicht, verteilt wird.
 
Sollten aus irgendwelchen Gründen Vierer-Harmonien und mehr zum Einsatz kommen, dann ist es günstig, die Webseite in Elemente zu zerlegen und in jedes Element eine einfache Winkelharmonie zu setzen. Folgende Elemente kämen in Betracht: Logo, Trennlinie, Buttons, Frames, Textfelder, Fotos, Grafiken, Animierte Gifs u.ä.
Wenn die Webseite einen besonderen Schwerpunkt, ein Interessenzentrum besitzt, so könnte man dessen Anziehungskraft mit einem Winkelkontrast steigern.
 
In der Praxis wird sich häufig die Situation einstellen, dass eine bereits vorgegebene Farbkombination zu einer Winkelharmonie ergänzt werden soll. Bei einer einzigen vorgegebenen Farbe brauchen wir nur die passende Komplementärfarbe zu finden. Bei zwei Farben könnten wir diese zu einer Dreier-Harmonie ergänzen. Wenn uns eine ganze Farbreihe vorgegeben ist, z.B. der Bereich von Violett nach Orange, dann könnten wir mit einer einzigen Farbe ein Gegengewicht zu dieser Farbreihe schaffen, in diesen Beispiel wäre es die Farbe Grün. Falls sich vielleicht keine perfekte Winkelharmonie einstellt, weil etwa die Farbreihe unregelmäßig ist, so wird es trotzdem gut wirken, wenn der Mengenkontrast, der Bunt-Unbunt-Kontrast und der Hell-Dunkel-Kontrast gut eingestellt sind (auf den nächsten Seiten werden diese Kontraste beschrieben). Das Thema "vorgegebene Farben" wird auf der Seite Integration der assoziierten Farben i n die Webseite ausführlicher behandelt.

 
 
 
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